Es reicht – wofür?

Nach 5 Monaten Berufsverbot für Yogalehrer auf der Grundlage der Corona-Schutzverordnungen ist es mal wieder Zeit zu überlegen, wie es weiter geht.

Ich bin müde und frustriert. Eine Regierung, die nichts gegen den Klimawandel tut und Waffenexporte für den Syrienkrieg erlaubt (die Türkei ist seit Jahren aktive Kriegspartei in Syrien und einer der wichtigsten Empfänger deutscher Waffenlieferungen); solch eine Regierung hat keinerlei Legitimation in meine persönlichen Angelegenheit hinein zu regieren und mir z.B. die Gästezahl auf meiner Geburtstagsparty vorzuschreiben.

Eine Zero-Covid-Strategie ist unrealistisch (wie die Kassenärztliche Vereinigung sagt). Wenn diese Regierung eine Zero-Covid-Politik verfolgt, ist sie dumm, oder sie gerät in den Verdacht, andere Interessen zu verfolgen. Endlich einmal durchregieren, ohne sich mit mächtigen Lobbyistenvereinigungen anzulegen. Das Schüren diffuser „Ängste vor dem Unbekannten (Virus)“ ist eine Steilvorlage für autoritäre Strukturen wie z.B. große Konzerne. Gegen diese Regierung ist Widerstand angesagt. Und ich meine Widerstand! Protest ist, wenn ich sage was mir nicht paßt. Widerstand ist wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht passt auch nicht geschieht. Widerstand kann hier ganz leise geschehen. Sinnloser Maskenzwang an der frischen Luft (für Geimpfte)? Ein verbotener Yogakurs (mit Hygienekonzept)? Aber wir brauchen einen langen Atem, diesen Widerstand auch vor Gericht fortzusetzen, und ggfls. die gegebenen Machtstrukturen anzuerkennen, die einen auch mal in den Knast wandern lassen; so wie es den Schwarzen der Black-Power-Bewegung in den 1960er Jahren ergangen ist (von denen das Widerstand-Zitat kommt).

Die Regierung ist (immer) Ausdruck der bestehenden Machtstrukturen. Die Macht verschiebt sich gerade richtung Pharma- und Digital-Konzerne. Diese sind noch zentralistischer als klassische Produktions-Unternehmen. Die Macht des großen Geldes wird weiter ausgebaut und die Corona-Krise reißt die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf. Das sind alles Antidemokratische Entwicklungen, denen aufgeklärte Bürger Widerstand entgegen setzen sollten.

Und dann ist da noch diese Corona-Krankheit.

Ich muss meine Einschätzung vom letzten Sommer korrigieren. Ich habe mich durch fälschliches Verständnis der „Mortalität“ in die Irre führen lassen. Die öffentlichen Angaben von ca. 1% „Mortalität“ lassen Corona ca. 3x so gefährlich wie die Grippe mit ca. 0,3% Mortalität erscheinen. Aber Mortalität bezeichnet die Anzahl der Todesfälle bezogen auf eine Population in einem bestimmten Zeitraum. Also z.B. die Grippe-Toten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung:

– 2018 sind von 954.000 Toten nachweislich  3029 an Grippe gestorben (Quelle), macht eine Mortalität von 0,32% (bezogen auf Lebenszeit?) Im Jahr 2019 waren es mit 1659 nur 0,18%. Ein Bezug zur Lebenszeit kann bei einer neuen Krankheit wie Corona nicht sinnvoll sein. Also geht es eher um „Letalität“, d.h. die Anzahl der Todesfälle bezogen auf die Infizierten, bzw. Erkrankten.

Ich vertrete die Ansicht, daß Vergleiche mit bekannten Größen hilfreich und zulässig sind. So lassen sich diffuse Ängste reduzieren. Die Labor Bestätigten Grippe-Infektion werden vom RKI für die Saison 2018/2019 (also nicht die schwere Welle 2017/18) mit 182.000 angegeben. Bezogen auf die Grippe-Toten von 2019 (die Zahlen passen hicht nicht ganz genau zusammen) würde man auf eine Letalität von 0,91% kommen (2017/18 noch höher). Hoch spekulative statistische Verfahren führen aber bei  Veröffentlichungen über Grippe im allgemeinen zu weit höheren Todeszahlen als die labor bestätigten Infektionen, aber nur zu einer Letalität von 0,1 %. Wie das zusammenpasst, muss mir mal jemand erklären.

Und jetzt zu Corona. In Sachsen stehen 227.000 labor bestätigten Infektionen bis jetzt 8.440 Todesfälle (an oder mit Corona) gegenüber. Wobei in der dynamischen Entwicklung die Verzögerung der Todesfälle zu berücksichtigen ist und andererseits nach wie vor die meisten „Corona-Toten“ eine oder mehrere Vorerkrankungen hatten, was bei einer sachlichen statistischen Zuordnung zu deutlich weniger ursächlich Corona-Toten führen würde. Die Rohdaten sprechen für 3,7% Letalität.

Also: die persönliche Gefahr durch Corona ist ca. 4x so hoch wie bei einer Grippe. Allerdings ist die Gefahr, persönlich in den nächsten 2 bis 3 Jahren an Corona zu erkrankten aufgrund der fehlenden Immunität deutlich höher als bei Grippe. Corona ist vielfältiger. Mehr Menschen ohne Symptome aber auch viele mit deutlich schwereren Verlauf als bei Grippe. Die Altersstruktur der Verstorbenen ist ähnlich wie bei einer Grippe. Bleibt abzuwarten, wie sich die Letalität entwickelt, nachdem die Risikogruppen und ihre Mitarbeiter weitgehend geimpft sind. Die persönliche Gefahr bleibt überschaubar und rechtfertigt keine einschneidenden Grundrechtseinschränkungen.

Bleibt die kollektive Gefahr der Überlastung unseres Gesundheitssystems. Nachdem auch Ärzte und Pfleger weitgehend durchgeimpft sind, dürften die krankheits- und quarantäne- bedingten Ausfälle im Gesundheitssystems im Vergleich zur 2. Corona-Welle milder sein. Anders ausgedrückt sollte unser Gesundheitssystem jetzt noch höhere Inzidenzzahlen ohne größere Belastungen überstehen. Eine reale Gefahr der Überlastung unseres Gesundheitssystems würde einschneidenden Grundrechtseinschränkungen rechtfertigen.

Da eine Zero-Covid-Strategie unrealistisch ist, müssen wir „hart am Wind“ segeln (siehe meine Seefahrergeschichte) bis Herdenimmunität erreicht ist. Risikogruppen schützen, impfen, gesund leben, Infektionsrisiken vermeiden …  scheint angemessen.

Aber ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie wird es Zeit, auch die „Kollateralschäden“ der Zwangsmaßnahmen anzuschauen und aufzuräumen, darniederliegende Kultur und Wirtschaft aufzurichten, den Sommer für persönliche und soziale Erholung zu nutzen, und gesellschaftlich zu integrieren, statt Polarisierung weiter voran zu treiben und diffuse Ängste vor dem Unbekannten zu schüren.

Widerstand heißt für mich, mit möglichst vielen Menschen bei dem was uns nicht passt, nicht mehr mit zu machen. Mit Protest möchte ich mich auch nicht zurückhalten, aber wichtiger ist die Bereitschaft notwendige Opfer zu bringen, wenn von Vertretern autoritärer Machtstrukturen Gewalt ausgeübt wird. Ich solchen Fällen brauchen wir tragfähige soziale Beziehungen. Gerade daher ist die Parole des social-distancing so gefährlich für uns.

 

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