Weltanschauung – Landkarte des Lebens

Jeder Mensch braucht Orientierung im Leben. In unbekanntem Terrain benutzen wir Landkarten, um uns zurecht zu finden. Gerne erkunden wir neues auf eigene Faust, merken uns dann aber was wir erlebt haben und erstellen so unsere eigene Landkarte. Unsere Weltanschauung kann als eine Art Landkarte gesehen werden. Landkarten bieten Übersicht, oder detaillierte Information über einen kleinen Bereich. Landkarten sind optimiert für verschiedene Aufgaben (Autofahren, Wandern, …) und Landkarten unterstützen uns (mehr oder minder gut) darin, das Wesentliche zu finden (und nicht daran vorbei zu laufen). Und Landkarten sind ungenau und haben Fehler!

Eine Weltanschauung, die nicht flexibel auf neue Änderungen reagiert (man könnte Sagen ohne Qualitätsmanagement) wird mit der Zeit  immer unbrauchbarer für das aktuelle Leben.

Allerdings ist manche Landkarte vor langer Zeit so gut gemacht worden, das wenig Änderungen notwendig sind, und andere Landkarten sind zwar neu, aber so schlecht gemacht, das viele Ergänzungen notwendig sind, um sich mit ihrer Hilfe zurecht zu finden.

Was sollte in einer „Landkarte des Lebens“ verzeichnet sein?

Auf die alten Fragen: „Wer bist du?“, „Wo kommen wir her?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“ sollten Weltanschauungen Antworten liefern. Des weiteren sollten Weltanschauungen noch Regeln für eine friedliches, soziales Zusammenleben liefern.

Aus Sicht eines Qualitätsmanagements gehören noch Regeln für die Weiterentwicklung und zur Vermeidung von Fehlentwicklungen zu den wichtigen Kennzeichen einer Weltanschauung.

Auf die Frage „Wer bist du?“ antworten viele klassische Weltanschauungen mit einer Version von „Du bist ein Abbild Gottes“. Das lässt viel Interpretations-Spielraum und ist vielleicht eine Art Zirkelschluss, aber immer noch befriedigender als eine Antwort wie z.B.: „Du bist eine Ansammlung von Aminosäuren“.

Für die Frage „Wo kommen wir her?“ liefern alle Weltanschauungen interessante Mythen und Versionen der Entstehungsgeschichte und Kosmologie. Diese sind für konkrete Alltags-Enscheidungen nur indirekt wichtig.

Bei der Frage nach dem „Sinn des Lebens?“ differenzieren sich die Antworten der verschiedenen Weltanschauungen ganz erheblich, wenn sie überhaupt eine Antwort liefern und die Menschen in ihrer Sinnsuche nach befriedigenden Antworten nicht kläglich allein lassen oder mit Versatzstücken und Ersatzbefriedigungen abspeisen. Die Antwort ist eng mit dem Wertesystem der Weltanschauung verknüpft.

Ob es als gottgefällig angesehen wird, viel Geld zu verdienen (Calvinisten) oder die „Selbstverwirklichung“ angestrebt wird (im Sinne der Philosophie des Vedanta) hat Auswirkungen auf Entscheidungen im Alltag und die soziale und ökologische Umwelt. Im einen Fall sind Umweltschäden und Ausbeutung der Mitarbeiter moralisch unbedenklich, im anderen Fall braucht es zum Glücklichsein nur eine Yogamatte.

Die Regeln für eine friedliches, soziales Zusammenleben  sind im Kern aller Weltanschauungen ähnlich. Du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen usw. und viele enthalten in ihren „10 Geboten“ auch „Eigenwerbung“ (du sollst keine anderen Götter haben neben mir, du sollst dem Professor, der Partei bzw. dem Führer glauben, …) und „Qualitätsregeln“ (du sollst dir kein Bildnis machen, du sollst Götter bzw. Vater und Mutter verehren, …).

Ich bin der Überzeugung, das eine detaillierte, vergleichende Betrachtung der Eigenschaften (Regeln und Wertesystem) der verschiedenen Weltanschauungen lohnt. Mir geht es darum, den einzelnen Menschen in die Lage zu versetzten, friedlich und sozial zusammen zu leben. Ein offener „religiöser“ Dialog über die vielen kleinen Dogmen mit ihren Vorzügen und teilweise Nachteiligen Auswirkungen ist wünschenswert.

Dabei ist Toleranz gefragt. Das ist mehr als die gleichgültige Kenntnisname anderer Meinungen. Toleranz ist auch etwas anderes als die ohnmächtige Hinnahme von Verhältnissen, die du jetzt nicht ändern kannst. Toleranz fordert vor allem die Mächtigen, die die Möglichkeit hätten, die Vertreter anderer Meinungen auszuschalten. Toleranz ist Vorbedingung einer friedlichen, theoretischen, Auseinandersetzung um konkurrierende Wahrheitsansprüche.

Ich würde gerne die Themen Wahrheit, Realität und Bewertung umgehen, und an vielen Stellen des Lebens reicht die Frage, ob eine bestimmte Sichtweise für eigene Vorhaben in deiner Lebenssituation brauchbar ist. Aber jeder Handlung liegt eine Bewertung zu grunde, und die bezieht sich auf eine Wahrheit oder Realität. Daher brauchen wir sozialverträglich Methoden, uns in bestimmten Situationen auf bestimmte Sichtweisen über Realität zu einigen. Dabei ist es emotional belastend, zeitweilige (oder dauernde) Unklarheit zu ertragen. Auf für diese emotionalen Belastungen brauchen wir sozialverträgliche Umgangsformen.

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